Was essen wir wirklich?!

Um diese Frage zu klären wurde vor 2 Jahren das Portal lebensmittelklarheit.de gegründet; es wird vom Bundesverbraucherministerium finanziert. Seitdem wird dort immer wieder beispielhaft aufgeführt, wie unehrlich die meisten Hersteller mit ihren Angaben sind und wir uns beim Einkaufen hinters Licht führen lassen. Auf den ersten Blick klingt es gut, dass diese Plattform informiert und dabei sogar offiziell vom Bundesverbraucherministerium finanziert wird; geändert hat sich seitdem trotzdem nichts! Der Verein zum Verbraucherschutz Foodwatch meint: „Es ist zwar gut, dass es die Info-Seite gibt, aber die Verantwortung einer Verbraucherministerin liegt nicht darin, uns Verbraucher im Internet zu informieren, wie wir belogen werden – die Verantwortung liegt darin, Verbraucher vor solchen Täuschungen zu schützen!“

In diesen zwei Jahren wurden insgesamt mehr als 360 Beispielprodukte, von denen sich Verbraucher in die Irre geführt fühlten, auf lebensmittelklarheit.de veröffentlicht. Man hat sich auch darum bemüht die Hersteller darauf direkt aufmerksam zu machen; im Schnitt hat jeder dritte darauf reagiert und sein Produkt angepasst bzw. Änderungen im Sinne des Kunden vorgenommen. Jedoch kann die Lösung nicht darin liegen jedes Produkt einzeln zu kritisieren und damit ein paar Produkte ehrlicher zu machen; viel mehr sollte es darum gehen einen langfristigen Verbraucherschutz zu gewährleisten und effektiven Schutz vor Täuschung im Bezug auf Lebensmittel zu bieten. Doch dafür können nur einheitliche, strengere gesetzliche Vorgaben als Maßnahme gelten.

Wie dringend notwendig diese Gesetzesänderungen sind, hat jetzt ein Gerichtsurteil gegen die Großmolkerei Friesland-Campina mehr als deutlich gemacht: Friesland-Campina ist eine Firma, die in Berlin und Umgebung Milch unter dem Namen „Mark Brandenburg“ verkauft. Dazu haben sie sich sogar ein selbstgebasteltes Fantasiesiegel mit Namen „Mark Brandenburg-Qualitätsgarantie“ auf den Leib geschneidert. Natürlich denkt man nun an ein regionales Qualitätsprodukt von Milchbauern aus der Umgebung Brandenburg. Doch leider liegt man falsch! Die Milch, welche nicht aus der Region, sondern von Höfen aus ganz Deutschland stammt, wird dazu auch noch in Köln abgefüllt und dann erst Richtung Brandenburg transportiert. Wer genau hinsieht, findet diese unwesentliche Tatsache im Kleingedruckten. Doch der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat deshalb Klage eingereicht und Recht bekommen. Jetzt muss Friesland-Campina die Verpackung ändern und klar sichtbar machen, dass die Milch nicht von regionalen Höfen aus Berlin bzw. Brandenburg kommt.

Allerdings ist anzumerken, dass die Vorwürfe gegen besagte Firma nicht neu waren;  auf lebensmittelklarheit.de hatten sich Verbraucher schon lange über den Regionalschwindel beschwert. Aber selbst die Fälle und Beschwerden, die in dem von ihrem eigenen Ministerium finanzierten Portal veröffentlicht werden, sieht man nicht als Aufforderung aktiv zu werden und neben Aufklärung und Austausch auch endlich Verbraucherschutz zu bieten. Foodwatch fordert daher schon seit Jahren verbindliche Herkunftsangaben, damit der Etikettenschwindel endlich ein Ende hat. Müssen die Verbraucher und Verbraucherschützer wirklich erst gegen jedes einzelne Produkt klagen, bevor die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung deutlich wird? Verbrauchertäuschung zu stoppen, sollte an dieser Stelle ganz klar das Ziel sein!